Ich weiß nicht wirklich, wo und wie ich anfangen soll. Ich habe so lange prokrastiniert, diesen Beitrag zu schreiben, dass es mittlerweile einfach zu viel geworden ist. Ich versuche, dass es nicht zu chaotisch oder zu lang wird, aber joa, mal schauen.
Anfangen möchte ich aber definitiv mit dem Ursprung aller meiner Probleme, meinen Eltern. Meine Eltern waren ehrlich nie die geilsten Eltern, auch wenn das alle meine Freunde dachten, aber sie waren nie in irgendeiner Hinsicht aktiv missbrauchend etc., was sie aber nie konnten war Fürsorge oder Emotionen zeigen. Meine Mutter war bis zu meinem Abitur Hausfrau und hat nie etwas anderes getan als uns jeden Wunsch von den Augen abzulesen und uns in jedem unserer schritte zu kontrollieren. Das ging so weit, das sie mit 15? mein Tagebuch laß, immer genau wusste mit wem und wo wir waren und uns überall hingefahren hat. Also einfach sehr Helikopter. Zeitgleich aber 0 interessiert an uns Kindern als eigenständige Personen mit eigenen Interessen und Meinungen.
Mein Vater war immer sehr beschäftigt mit Arbeit (wie soll man auch anders eine fünfköpfige Familie ernähren, wenn nur eine Person arbeitet) und auch zuhause nach der Arbeit war immer etwas zu tuen mit Versicherungen, Grundstücken oder irgendwelchem anderen legalen scheiß, den die Verwandtschaft nicht selbst geregelt bekommt. Da mein Vater auch echt null Rückrad hat konnte er natürlich auch nie nein sagen. Aka er wusste nix aus unserem Leben, wenn es nicht gerade um Schule oder alles Rechtlich/legale ging.
Also beide zusammen waren immer rechtlich uninteressiert an meinem Leben, waren nie bei irgendwelchem Hobby. Das letzte mache ich seitdem ich 6 bin, also 14 Jahre und habe gerade mal eine Handvoll Bilder von, wobei die meisten nicht von meinen Eltern stammen. Dasselbe bei meiner Schwester. Nur mein Bruder ist die Ausnahme, weil das arme Kind wurde ja gemobbt, was auch wirklich schlimm war für ihn, das will ich garnicht bestreiten, aber meine Eltern haben ihn dann zu folge dessen so sehr verwöhnt, dass er mittlerweile mit 17 in der Ausbildung ist, sich kein eigenes Brot schmieren kann, nicht aufstehen würde, würde mein Vater ihn nicht mehrmals wecken morgens und übergewichtig ist. Dazu hat er noch mit Depressionen zu kämpfen, vermute ich, hatte mehrmals in seinem Leben Suizidgedanken, was aber alles nie anständig aufgearbeitet oder nur angesprochen wurde, weil meinen Eltern ihr ruf sehr wichtig ist und somit alles unter den Teppich gekehrt wird.
Meine Eltern hatten nie die beste Ehe, alleine schon, weil meine Großeltern ein Problem mit meiner Mutter haben und schon immer haten, weil sie sich nicht rumkommandieren lässt, wie mein Vater oder seine Schwester. Richtig eskalier ist es aber während Corona. Mein Bruder sollte abnehmen, und da er da erst 12 war hat eine Mutter mit ihm angefangen zu Tracken. Ging auch ganz gut bei meinem Bruder, bis schule wieder anfing. Bei meiner Mutter hat es da aber leider nicht aufgehört. Sie hat angefangen zu Laufen, was ja grundsätzlich nix Schlechteres ist, aber es wurde schnell ungesund. Genauso das Abnehmen und ins Gym, gehen und jede einzelne Kalorie tracken und bloß nie zu viel essen. Mein Vater war mit dieser Änderung reichlich unzufrieden, weil sie sich "besserte" und er sich nicht. Irgendwann ist er auch beim Abnehmen mit eigestiegen, aber besser gemacht hat das ihre Beziehung auch nicht. Zu diesem Zeitpunkt gab es schon regelmäßig streit und wir Kinder sagten schon öfter, dass sie sich Hilfe suchen sollte. Das ist jetzt bestimmt 5 Jahre her.
Richtig eskalier ist das ganze vor knapp einem Jahr, als meine Mutter meine ihr würde es mental so scheiße gehen und Depressionen und Sachen von vor 20 Jahren über die nie gesprochen wurde. Sie bräuchte eine Auszeit von Haushalt etc. Da zum Hintergrund, den hat sie vollständig alleine gemacht, weil sie jegliche Hilfe ablehnte und uns Kinder nie etwas beibrachte. aka ich weiß mit 20 gerade so wie man Wäsche wäscht. Fazit der ganzen Sache, was, aber sie würde für 2 Wochen ausziehen. Noch in der Nähe in einer Wohnung aber eben nicht zuhause. Im Endeffekt war sie eh alle zwei Tage da, um den Haushalt zu machen, weil wir es laut ihr nicht hinbekommen würde. (taten wir, wenn auch was holprig). Aus diesen zwei Wochen wurden 3, dann 4. Feiertage wurden verpasst, wenn sie da war, war alles angespannt, weil jeder eine Explosion erwartete. Mein Vater war sichtlich unzufrieden mit der Situation. Ende des Liedes ist jetzt, das meine Mutter vollständig ausgezogen ist, jeder Kontakt zwischen den beiden im Streit endet, wir Kinder versuchen uns aus dieser Situation zu entziehen, weil wir immer in alles mit reingezogen werden. Meine Mutter hat Geheimnisse, ist das Opfer, von dem allen und jeder ist gegen sie und alle sind so scheiße. Mein Vater stalked meine Mutter, lädt alles auf uns Kinder ab (weil seinen Eltern kann er das ja nicht erzählen, das würde die zu sehr belasten. Bruh, aber deine Kinder nicht, oder was?!), rastet bei jedem Mist aus und ist natürlich auch das Opfer der Situation und jeder ist gegen ihn.
Aka beide sind die Opfer, haben keinerlei Schuld und wollen auch nicht an sich arbeiten. Mein Vater hat verdacht, dass meine Mutter ihn betrügt, meine Mutter hat Geheimnisse über jeden Scheiß und alles, wirklich alles wird "öffentlich" ausgetragen. Das geht über Whatsapp Status zu öffentlichen Instaposts meiner Mutter zu Nachrichten in der Familiengruppe (Eltern und wir Kinder) die so passiv aggressiv geschrieben und unnötig sind. Die beiden haben jedem von uns schon mehrfach schöne Abende ruiniert und sie schnallen es einfach nicht. Ich musste von einem Geburtstag früher fahren, weil mein Vater gesoffen hat und betrunken meine Schwester abholen wollte von einer Party. Ich musste öfter auf Sachen verzichten, weil ich die Rolle des Erwachsenen übernehmen musste, weil die zwei nur noch Kindergarten können.
Jetzt hat mein Vater endlich genug Rückrad entwickelt, um meinen Großeltern davon zu erzählen und deren Aussage an mich ist "Ja, du musst auch mal für deinen Vater da sein. Der arme. Ihr könnt den nicht immer alleine lassen und bei eurer Mutter sein. Ihr müsst euch um den Kümmern" MInd you, wir sind häufiger zuhause, wo mein Vater ja auch wohnt, als bei unserer Mutter, weil wir naja zuhause wohnen und so. Außerdem muss ich verdammt nochmal garnix. Ich bin sein Kind, nicht seine Mutter oder n Therapeut.
Zeitgleich schickt meine Mutter uns alles drei Kindern TicToks von wegen, wir sollen mit unseren Geschwistern reden und uns immer wieder verstragen (sie ist diejenige, die mit ihren Geschwistern und Eltern nicht mehr redet aus eigenem Willen)
Alles in allem warten wir also nur noch die Scheidung ab.
Und was haben wir davon mitgenommen? Vertrauensprobleme, Inkompetenz im Alltag, Unfähigkeit über Gefühle zu reden, keine Möglichkeit gesund zu streiten, EDs (weil natürlich immer unsere Körper abwertend kommentiert wurden) und wahrscheinlich alle Depressionen auf verschiedene Arten.
Geile Kombi jedenfalls. Bei mir kommt dazu noch undiagnostiziertes AD(H)S was ich seit Jahren vermute, wodurch ich eh seit 12 immer wieder depressive Phasen habe.
Dazu dann noch sozial ziemlich inkompetent mit wenigen freunden und garkeinen sehr engen, denen man sowas erzählen kann.
Mein Freund will es so langsam auch nicht mehr hören, weil er meinen Eltern am liebsten eine klatschen würde. Er äußert sich auch nicht mehr zu solchen Sachen, weil es weiß, dass seine Aussagen mich verletzten (sie sind wahr, aber schwer zu hören) und ich erzähle es ihm nichtmehr, weil es eh immer derselbe Mist ist.
Das Thema hat mir echt lange zu schaffen gemacht, weil ich mit niemandem darüber reden konnte. Besonders, das vom einen auf den anderen Tag erwartet wurde, das wir erwachsen waren und alles seöbst konnten. Dass Geburtstage, Feiertage, alles was wir als Familie früher gemacht haben unwichtig war und jetzt einfach allein verbracht wird.
Mittlerweile habe ich schon lange damit abgeschlossen und warte nur noch die Scheidung ab, aber immer, wenn es dann doch nochmal überkocht, wünsche ich mir diesen Beitrag schon früher geschrieben zu haben und mir hier Unterstützung holen zu können.
Jetzt ist es schon fast zu spät, weil ich in einem Monat 21 werde und somit auch hierfür dann letztendlich zu alt bin
Tut mir leid, das das jetzt doch so lang und unübersichtlich geworden ist. Ich weiß auch garnicht was ich mir von all dem Erhoffe, aber ich glaube das alle musste einfach mal raus, auch wenn es nur in die leere ist
Hallo Djasn,
willkommen im Jugendforum. Mein Nickname ist bke-Stephan und ich gehöre zum Moderationsteam.
Du hast echt viel Mist mitgemacht. Hast Verantwortung übernommen, viel (zuviel?) von dem ausgeglichen, was Deine Eltern, in Ihrem eigenen Stress, nicht hinbekommen haben. Und wenn ich Dich richtig verstehe: Du bist jetzt ganz schön wütend. Und mit was? Mit Recht. Es ist echt ok wütend zu sein, wenn sich die Eltern so bescheuert verhalten, jahrelang die Bedürfnisse der Kinder nicht sehen. So wie Du richtig schreibst: Versorgen ist wichtig, aber eben nicht nur materiell. Sondern die emotionale Versorgung ist genau so wichtig. Da hast Du von Deinen Eltern vermutlich zu wenig bekommen.
Du hast keine Frage gestellt, hast mal alles (wahrscheinlich nicht alles, aber einiges) runter geschrieben. Ich kann mir vorstellen, dass das schon gut getan hat. Liege ich da richtig?
Was ich mich frage: Wo hast Du die Kraft gefunden, nicht komplett durchzudrehen, Abi zu machen, die Bedürfnisse Deiner Geschwister zu sehen und sicher auch oft unterstützend für die zu sein? Irgendetwas muss bei Dir gut geklappt haben. Sonst könntest Du Dich nicht so gut ausdrücken, hättest Dich komplett zurück gezogen. Würdest nicht erkennen, was schief gelaufen ist.
Und wie gut dass Du gemerkt hast, dass Deine Großeltern die Verantwortung umkehren wollen. Und das gar nicht geht: Es stimmt. Du bist nicht die Mutter oder die Therapeutin Deines Vaters. Auch nicht die Deiner Mutter. Es ist wirklich stark, dass Du das erkennst und auch danach handelst.
Was hoffst Du, wird sich durch die Scheidung Deiner Eltern ändern? Siehst Du es auch so, dass es gut ist, dass Deine Eltern nicht mehr zusammen leben?
Und jetzt noch eine schwierige Frage zum Schluss: Angenommen, Du würdest nächstes Jahr um diese Zeit nochmal hier schreiben (was ja wegen unserer Altersbegrenzung nicht geht) und Du würdest berichten, was sich alles verbessert hat bei Dir, was wäre das?
Ich schicke Dir ganz viele Grüße und bin gespannt, was die anderen hier noch so schreiben werden,
bke-Stephan